„Vous faites des bruit dans mon appartement la.“ 14 junge Männer in blauen T-Shirts schauen den Mann entgeistert an. „J'habite la, il est trop fort.“ In den Gesichtern der jungen Männer ist Unverständnis zu erkennen (Ab der Aussage aber schon auch: „Nous ne savons pas, nous sommes touristes“)
Die 14 jungen Männer spielen Handball und befinden sich auf einer Auswärtsfahrt ins Welschland. Der französisch sprechende Mann wohnt wohl in der Sporthalle und echauffierte sich über den Lärm in seiner Wohnung. Die 14 jungen Männer machten Lärm, weil sie sich im Gang der Sporthalle aufwärmen mussten, das vorherige Spiel war noch im Gange. Das Auswärtsspiel in Yverdon war allgemein ein bisschen der Match der widrigen Umstände: Nicht nur das Aufwärmen war improvisiert, sondern auch der Liveticker entspricht nicht dem auf dem Spielfeld Passierten und an der Match-Uhr musste unzählige Male nachjustiert werden. Das Spiel lebte von seinen Unterbrüchen und war, obwohl es 15 Minuten später angepfiffen wurde, wohl das in wirklichen Minuten längste Spiel, an dem der Chronist je teilgenommen hat.
Doch jetzt zum Sportlichen: Die Partie begann schleppend, um nicht zu sagen langweilig. Beide Kontrahenten hatten Mühe ins Spiel zu kommen. Es passierten auf beiden Seiten zum Teil haarsträubende Fehler, es war kein schönes Spiel. Die SG hielt ich wie gewohnt eher durch erfolgreiche Abwehraktionen als durch brillante Angriffe im Spiel, die Heimmannschaft hatte ihren besten Mann auf Linksaussen, der neben allen versenkten Siebenmeter auch mehrmals sehenswert von seiner Position abschloss. Zur Halbzeit konnten sich dann die Mannen von Neuenburgersee einen Vorsprung herausspielen, dies weil die SG besonders offensiv sie annähernd an ihr Rendement herankam.
Man nahm sich etwas vor für die zweite Halbzeit, wollte die Lethargie ablegen. Doch es passierte zunächst leider noch nicht viel. Man hechelte den entflohenen Kontrahenten hinterher. Viele der Zuschauenden in der Halle fanden sich wohl schon mit einem – verdienten – Sieg ihrer Heimmannschaft ab. Doch die SG fand plötzlich in der Schlussphase nochmals in die Spur: Die Luzerner starteten ab der 53. Minute (27:21) einen Lauf, der in der 60. Minute beim 27:26 nur knapp keinen unerwartet erfolgreichen Abschluss fand.
Die US Yverdon gewann dieses Finalrundenspiel verdient, die SG bleibt auf ihrem einen Punkt aus drei Spielen sitzen und muss sich in Richtung Keller der Tabelle orientieren. Besonders, weil man nächste Woche das Auswärtsspiel gegen den Aufstiegsaspiranten in Genf vor sich hat.
US Yverdon – SG Pilatus 27:26 (16:11)
Yverdon Léon Michaud. 120 Zuschauende. SR: Grünig/Nauer
Strafen: 5 x 2 Minuten USY, 4 x 2 Minuten SGP
SGP: Schnyder, Eicher; Timo Baumann (1), Bühler (2), Burch (3), Delchiappo (2), Ehrler (1), Felber, Flavio Gnos (2), Hermann (1), Korac (1), Mühlebach (8/2), Stadelmann (1), Studer (4)
Bericht: Basil Bühler



